Zahnstein selbst entfernen – warum Sie besser darauf verzichten sollten
Kann man Zahnstein selbst entfernen? Diese Frage wird häufig gestellt – insbesondere wenn sich harte, gelbliche oder bräunliche Ablagerungen an den Zähnen gebildet haben. Im Internet werden dafür zahlreiche Tipps und spezielle Zahnsteinentferner angeboten. Unsere klare Empfehlung lautet jedoch: Zahnstein sollte nicht eigenständig mit Metallinstrumenten, Zahnschabern oder ähnlichen Werkzeugen entfernt werden. Eine unsachgemäße Entfernung kann Zähne und Zahnfleisch verletzen und unter Umständen mehr schaden als nutzen.
Was ist Zahnstein eigentlich?
Zahnstein entsteht aus Zahnbelag (Plaque), der sich auf der Zahnoberfläche ansammelt und durch Mineralien aus dem Speichel verhärtet. Ist dieser Belag erst einmal verkalkt, lässt er sich durch normales Zähneputzen in der Regel nicht mehr vollständig entfernen.
Zahnstein kann sowohl oberhalb als auch unterhalb des Zahnfleischrandes vorkommen. Besonders unterhalb des Zahnfleischrandes ist eine fachgerechte Entfernung wichtig, da dort nicht nur sichtbare Ablagerungen, sondern auch bakterielle Beläge eine Rolle für die Entstehung und Aufrechterhaltung von Zahnfleischentzündungen und Parodontitis spielen können. Die Deutsche Gesellschaft für Parodontologie beschreibt, dass bei einer subgingivalen Infektion eine professionelle Instrumentierung zur Entfernung von Biofilm und Zahnstein erforderlich sein kann.
Warum sollte man Zahnstein nicht selbst abkratzen?
Auf den ersten Blick erscheint es logisch: Wenn Zahnstein hart ist, könnte man ihn doch einfach mit einem entsprechenden Instrument abkratzen. Genau hier liegt jedoch das Problem.
Die Zahnoberfläche und insbesondere der Bereich am Zahnfleischrand sind empfindliche Strukturen. Wer ohne entsprechende Ausbildung mit spitzen oder scharfkantigen Instrumenten arbeitet, kann beispielsweise:
- das Zahnfleisch verletzen,
- Blutungen und Entzündungen verursachen,
- die Zahnoberfläche unbeabsichtigt beschädigen,
- vorhandene Füllungen oder andere Restaurationen beeinträchtigen,
- Zahnfleischtaschen oder schwer zugängliche Bereiche übersehen,
- Zahnstein lediglich oberflächlich entfernen, während Ablagerungen darunter bestehen bleiben.
Besonders problematisch ist der Versuch, Zahnstein mit erheblichem Druck oder durch wiederholtes „Schaben“ zu entfernen. Selbst wenn danach zunächst der Eindruck entsteht, die Zähne seien sauberer, ist damit nicht sichergestellt, dass die gesamte betroffene Zahnoberfläche tatsächlich professionell gereinigt wurde.
Die professionelle Entfernung von Zahnstein ist deshalb nicht lediglich eine Frage des richtigen Werkzeugs. Entscheidend sind Kenntnisse über Anatomie, Zahnoberflächen, Zahnfleisch und parodontale Erkrankungen sowie die Beurteilung, welche Behandlung überhaupt notwendig ist. Die American Dental Association beschreibt die professionelle Entfernung von Zahnstein als Bestandteil der zahnmedizinischen Behandlung und unterscheidet dabei ausdrücklich zwischen verschiedenen Formen der Reinigung und parodontalen Therapie.
Zahnsteinentferner für zu Hause – eine gute Idee?
Im Internet und im Handel werden mittlerweile zahlreiche sogenannte Zahnsteinentferner für die Anwendung zu Hause angeboten. Dazu gehören insbesondere Metallhaken, Zahnsteinschaber oder elektrische Geräte.
Dass ein Instrument professionell aussieht, bedeutet jedoch nicht, dass es für die Selbstanwendung geeignet ist.
Das größte Problem besteht darin, dass man selbst nur sehr eingeschränkt beurteilen kann, was genau man gerade entfernt und wo die Grenze zwischen Zahnstein, Zahnoberfläche und Zahnfleisch verläuft. Gerade an schwer einsehbaren Stellen besteht die Gefahr, mit einem Instrument abzurutschen oder zu tief in den Zahnfleischbereich einzudringen.
Eine vermeintlich gründliche Reinigung kann dadurch zu einer Verletzung des Zahnfleisches oder einer unnötigen mechanischen Belastung der Zahnoberfläche führen.
Unser Rat ist daher eindeutig: Verwenden Sie keine scharfen Instrumente, um Zahnstein selbst zu entfernen.
Was ist der bessere Weg gegen Zahnstein?
Der wichtigste Schritt ist zunächst eine konsequente tägliche Mundhygiene. Zahnbürste und geeignete Zwischenraumreinigung helfen dabei, den weichen bakteriellen Zahnbelag möglichst vollständig zu entfernen, bevor er mineralisiert.
Bereits entstandener Zahnstein kann dagegen nicht einfach durch stärkeres Zähneputzen wieder „weggeputzt“ werden. Hier ist – abhängig von Menge, Lage und individuellem Befund – eine professionelle Zahnsteinentfernung beziehungsweise professionelle Zahnreinigung sinnvoll.
Die DG PARO unterscheidet dabei ausdrücklich zwischen der häuslichen Mundhygiene und der professionellen mechanischen Plaqueentfernung, die von Zahnärzten oder entsprechend qualifizierten Fachkräften durchgeführt wird.
Wichtig ist außerdem: Zahnstein ist nicht nur ein kosmetisches Problem. Zusammen mit bakteriellem Biofilm kann er zur Aufrechterhaltung einer Zahnfleischentzündung beitragen. Bei entsprechenden Befunden muss deshalb nicht nur der sichtbare Zahnstein entfernt, sondern auch die Ursache der Entzündung beziehungsweise der erhöhten Belagbildung berücksichtigt werden.
Warum entsteht bei manchen Menschen besonders viel Zahnstein?
Wie schnell sich Zahnstein bildet, ist individuell sehr unterschiedlich. Neben der Mundhygiene spielen unter anderem die Zusammensetzung des Speichels, die Position der Zähne und die Zugänglichkeit bestimmter Bereiche eine Rolle.
Gerade eng oder ungünstig stehende Zähne können die Reinigung erschweren. Zwischen verdrehten oder stark überlappenden Zähnen sind Zahnbürste und Zahnseide beziehungsweise Interdentalbürsten häufig schwieriger einzusetzen. Dadurch können sich leichter bakterielle Beläge ansammeln, die anschließend mineralisieren können.
Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen einen Zusammenhang zwischen bestimmten Fehlstellungen, insbesondere Engständen, und ungünstigeren parodontalen beziehungsweise gingivalen Befunden. Die aktuelle Datenlage sollte dabei differenziert betrachtet werden: Eine Zahnfehlstellung ist nicht automatisch die Ursache einer Zahnfleischerkrankung, kann die Reinigung bestimmter Bereiche aber erschweren.
Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass Untersuchungen bei Engständen eine veränderte bakterielle Besiedlung in den betroffenen Bereichen zeigen konnten.
Kann Zahnstein ein Hinweis auf eine Zahnfehlstellung sein?
Möglich ist das – allerdings nicht jeder Zahnstein hat eine kieferorthopädische Ursache.
Wenn sich Zahnstein immer wieder an bestimmten Stellen bildet, obwohl auf eine gute Mundhygiene geachtet wird, kann es sinnvoll sein, genauer hinzusehen: Stehen einzelne Zähne sehr eng? Sind Zähne gedreht? Gibt es Bereiche, die mit der Zahnbürste oder einer Interdentalbürste nur schwer erreichbar sind?
Gerade bei Kindern und Jugendlichen kann eine kieferorthopädische Untersuchung dabei helfen, festzustellen, ob eine Zahn- oder Kieferfehlstellung vorliegt und ob daraus möglicherweise langfristige Schwierigkeiten bei der Reinigung entstehen.
Eine kieferorthopädische Behandlung hat dabei nicht das Ziel, Zahnstein direkt zu behandeln. Vielmehr kann eine Verbesserung der Zahnstellung unter bestimmten Voraussetzungen dazu beitragen, die Zähne besser zugänglich und damit leichter zu reinigen.
Zahnstein selbst entfernen oder professionell entfernen lassen?
Unsere Empfehlung lässt sich deshalb einfach zusammenfassen:
Zahnstein nicht selbst abkratzen.
Verzichten Sie insbesondere auf spitze Metallinstrumente oder andere Werkzeuge, mit denen Sie versuchen, verhärtete Ablagerungen eigenständig zu entfernen. Lassen Sie zunächst professionell beurteilen, ob es sich tatsächlich um Zahnstein handelt, wie weit die Ablagerungen reichen und ob möglicherweise bereits eine Zahnfleischentzündung besteht.
Für die tägliche Pflege zu Hause sind dagegen eine gründliche Zahnbürste und eine individuell passende Reinigung der Zahnzwischenräume die entscheidenden Maßnahmen, um die Neubildung von Belägen und damit auch von Zahnstein möglichst gering zu halten.
Wann ist eine kieferorthopädische Beratung sinnvoll?
Wenn Sie feststellen, dass sich an bestimmten Stellen besonders schnell Beläge oder Zahnstein bilden und Sie gleichzeitig den Eindruck haben, dass Zähne zu eng, verdreht oder ungünstig positioniert stehen, kann die Frage entstehen, ob möglicherweise eine kieferorthopädische Ursache dahintersteckt.
Wenn Sie diese Frage beschäftigt, können Sie direkt über unsere Webseite einen Beratungstermin in unserer kieferorthopädischen Fachpraxis vereinbaren. Wir beurteilen dabei, ob tatsächlich eine behandlungsbedürftige Zahn- oder Kieferfehlstellung vorliegt und ob eine kieferorthopädische Behandlung sinnvoll sein könnte.
Unser Fazit
Zahnstein sollte nicht selbst entfernt werden. Das eigenständige Abkratzen mit ungeeigneten Instrumenten kann zu Verletzungen des Zahnfleisches und zu Schäden an der Zahnoberfläche führen. Eine professionelle Entfernung ermöglicht dagegen nicht nur die sichere Beseitigung der Ablagerungen, sondern auch eine Beurteilung des Zahnfleisches und der zugrunde liegenden Ursachen.
Und wenn Zahnstein oder Beläge immer wieder an schwer zugänglichen Stellen entstehen, lohnt sich ein genauerer Blick auf die Zahnstellung. Denn gerade bei eng oder ungünstig stehenden Zähnen kann eine gründliche Reinigung deutlich schwieriger sein.
Medizinischer Hinweis
Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle medizinische oder zahnmedizinische Beratung, Untersuchung oder Behandlung. Bei Beschwerden, Blutungen des Zahnfleisches, Schmerzen, ausgeprägter Zahnsteinbildung oder Unsicherheit über den Zustand Ihrer Zähne sollten Sie eine Zahnärztin, einen Zahnarzt oder eine entsprechend qualifizierte Fachpraxis aufsuchen. Die dargestellten Informationen beziehen sich auf allgemeine wissenschaftliche Erkenntnisse und können eine individuelle Befundaufnahme nicht ersetzen.