Skip to content

Überbiss – was bedeutet das eigentlich?

Was ist ein Überbiss und woran erkennt man ihn? Wenn von einem „Überbiss“ gesprochen wird, denken viele Menschen zunächst an deutlich vorstehende obere Schneidezähne. Tatsächlich ist der Begriff im Alltag weiter gefasst: Gemeint ist meist eine auffällige bzw. vergrößerte Abweichung der Beziehung zwischen den oberen und unteren Schneidezähnen. Diese Abweichung kann in unterschiedliche Richtungen auftreten – vertikal, nach vorne oder nach hinten.

In der Kieferorthopädie wird deshalb genauer unterschieden, wie die Schneidezähne zueinander stehen und wie Ober- und Unterkiefer aufeinander bezogen sind. Die fachliche Unterscheidung ist wichtig, weil hinter einem vermeintlichen „Überbiss“ ganz unterschiedliche Zahn- oder Kieferfehlstellungen stehen können. Die deutsche S2k-Leitlinie zur kieferorthopädischen Diagnostik führt unter anderem den übermäßigen horizontalen, tiefen und vertikalen Überbiss sowie Distal- und Mesialbiss als unterschiedliche Befunde auf.

Überbiss ist nicht gleich Überbiss

Ein normaler Biss bedeutet nicht, dass die oberen und unteren Schneidezähne exakt Kante auf Kante stehen. Eine gewisse Überdeckung und ein gewisser horizontaler Abstand sind physiologisch. Problematisch kann es werden, wenn diese Beziehung deutlich ausgeprägt oder funktionell ungünstig ist.

Für die Beurteilung eines Überbisses sind insbesondere zwei Richtungen relevant:

  • vertikal: Wie stark überdecken die oberen Schneidezähne die unteren?
  • horizontal: Wie weit stehen die oberen Schneidezähne vor den unteren?

Darüber hinaus wird untersucht, wie Ober- und Unterkiefer insgesamt zueinander stehen. Deshalb kann eine auffällige Frontzahnbeziehung beispielsweise mit einem Distalbiss oder – in die entgegengesetzte Richtung – mit einem Mesialbiss beziehungsweise umgekehrten Überbiss verbunden sein.

Tiefbiss – wenn die Schneidezähne zu weit übereinanderstehen

Eine häufige Form eines Überbisses ist der Tiefbiss. Hier überdecken die oberen Schneidezähne die unteren Schneidezähne in vertikaler Richtung stärker als üblich.

Die S3-Leitlinie „Ideale Behandlungszeitpunkte kieferorthopädischer Anomalien“ beschreibt einen tiefen Biss unter anderem über einen vergrößerten vertikalen Overbite. Bei ausgeprägten Formen können die unteren Schneidezähne sogar in Richtung Gaumen beziehungsweise in das Weichgewebe beißen.

Ein Tiefbiss ist daher nicht lediglich eine Frage der Ästhetik. Je nach Ausprägung und individueller Situation können beispielsweise ungünstige Zahnkontakte, erhöhter Zahnverschleiß oder Verletzungen des Zahnfleisches beziehungsweise der Schleimhaut eine Rolle spielen. Die American Association of Orthodontists beschreibt ebenfalls mögliche funktionelle und zahnmedizinische Folgen eines ausgeprägten Tiefbisses.

Horizontaler Überbiss – der Abstand nach vorne

Eine andere Situation liegt vor, wenn die oberen Schneidezähne deutlich vor den unteren Schneidezähnen stehen. Fachlich wird dieser horizontale Abstand als Overjet beziehungsweise sagittale Frontzahnstufe bezeichnet.

Die S3-Leitlinie definiert den Overjet als horizontalen, anterior-posterioren Überbiss und beschreibt, dass dieser positiv ist, wenn die Oberkieferfront vor der Unterkieferfront liegt. Stehen dagegen die unteren Schneidezähne vor den oberen, wird der Wert negativ.

Ein vergrößerter Overjet wird umgangssprachlich häufig mit „Überbiss“ bezeichnet. Fachlich ist es jedoch sinnvoll, zwischen dem horizontalen Overjet und dem vertikalen Overbite beziehungsweise Tiefbiss zu unterscheiden.

Distalbiss – wenn der Unterkiefer zu weit hinten steht

Ein Überbiss kann außerdem mit einem Distalbiss zusammenhängen. Dabei stehen die unteren Zähne beziehungsweise der Unterkiefer im Verhältnis zum Oberkiefer weiter hinten.

Typischerweise kann dadurch die obere Front weiter nach vorne erscheinen. Die American Association of Orthodontists beschreibt bei einer Klasse-II-Malokklusion ebenfalls eine rückwärtige Position der unteren Zähne und/oder des Unterkiefers relativ zu den oberen Strukturen.

Wichtig ist deshalb: Nicht jeder ausgeprägte Überbiss hat dieselbe Ursache. Ein vergrößerter Abstand zwischen den Schneidezähnen kann durch die Stellung einzelner Zähne, durch die Lage der Zahnbögen oder durch die Beziehung von Ober- und Unterkiefer zueinander entstehen. Eine kieferorthopädische Untersuchung soll genau diese Zusammenhänge unterscheiden.

Umgekehrter Überbiss – wenn die unteren Schneidezähne vorne stehen

Auch die entgegengesetzte Situation kann vorkommen: Die unteren Schneidezähne stehen vor den oberen. Man spricht unter anderem von einem umgekehrten Überbiss, einem negativen Overjet oder – abhängig vom gesamten Befund – von einem Mesialbiss beziehungsweise einer Klasse-III-Relation.

Die American Association of Orthodontists bezeichnet die Situation, bei der die unteren Frontzähne oder der Unterkiefer vor den oberen liegen, als Underbite.

Damit wird deutlich: Wenn Patienten von einem „Überbiss“ sprechen, kann damit ganz Unterschiedliches gemeint sein. Entscheidend ist deshalb nicht allein die Bezeichnung, sondern die genaue kieferorthopädische Diagnose.

Warum eine genaue Diagnose wichtig ist

Zähne und Kiefer können sich in mehreren Ebenen voneinander unterscheiden. Eine Fehlstellung kann beispielsweise gleichzeitig einen vertikalen und einen horizontalen Anteil haben. Zusätzlich können Zahnstellung, Zahnbogenform und die Position von Ober- und Unterkiefer beteiligt sein.

Die aktuelle S2k-Leitlinie zur kieferorthopädischen Diagnostik betont deshalb die Bedeutung einer präzisen Diagnose als Grundlage für eine individuell abgestimmte Therapieplanung.

Eine kieferorthopädische Untersuchung betrachtet daher nicht nur einzelne Schneidezähne. Beurteilt werden unter anderem:

  • die Stellung der oberen und unteren Schneidezähne,
  • der vertikale Überbiss beziehungsweise Tiefbiss,
  • der horizontale Überbiss beziehungsweise Overjet,
  • die Beziehung von Ober- und Unterkiefer,
  • die Verzahnung der Seitenzähne,
  • die Zahnbögen und deren Platzverhältnisse,
  • sowie die Funktion des Gebisses.

Erst aus der Gesamtheit dieser Befunde lässt sich beurteilen, ob tatsächlich eine behandlungsbedürftige Zahn- oder Kieferfehlstellung vorliegt und welche Ursache dahintersteht.

Wann sollte ein Überbiss untersucht werden?

Eine kieferorthopädische Abklärung ist insbesondere sinnvoll, wenn die Schneidezähne deutlich vor- oder hintereinander stehen, die unteren Schneidezähne beim Zubeißen in Richtung Gaumen beißen, der Biss ungewöhnlich tief erscheint oder die Zähne beim Schließen des Mundes nicht harmonisch aufeinandertreffen.

Auch Eltern sollten bei Kindern und Jugendlichen bereits bei einem Verdacht auf eine Zahn- oder Kieferfehlstellung eine fachliche Einschätzung in Betracht ziehen. Oft stellt sich dabei die Frage ab wann braucht man eine Zahnspange. Eine frühzeitige Untersuchung bedeutet dabei nicht automatisch, dass unmittelbar eine Behandlung notwendig ist. Sie ermöglicht zunächst eine fachgerechte Beurteilung und gegebenenfalls die Beobachtung der weiteren Entwicklung.

Überbiss richtig einordnen: Untersuchung statt Selbstdiagnose

Der Begriff „Überbiss“ beschreibt also nicht immer dasselbe. Ein Überbiss kann sich in unterschiedlichen Richtungen zeigen – als vertikaler Überbiss beziehungsweise Tiefbiss, als vergrößerter horizontaler Überbiss (Overjet) oder im Rahmen einer nach hinten oder nach vorne verlagerten Kiefer- beziehungsweise Frontzahnbeziehung.

Gerade deshalb sollte ein auffälliger Biss nicht allein anhand von Fotos oder der eigenen Einschätzung beurteilt werden. Ein Fachzahnarzt für Kieferorthopädie kann feststellen, welche Fehlstellung tatsächlich vorliegt, wie ausgeprägt sie ist und ob beziehungsweise wann eine Behandlung sinnvoll ist.

Wenn Sie sich fragen, ob bei Ihnen oder Ihrem Kind möglicherweise ein Überbiss oder eine andere kieferorthopädische Fehlstellung vorliegt, können Sie direkt über unsere Webseite einen Beratungstermin bei uns vereinbaren. Im Rahmen der Untersuchung können wir den Biss fachgerecht beurteilen und Ihre individuellen Fragen besprechen.

Disclaimer

Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische oder zahnmedizinische Beratung, Untersuchung oder Diagnose. Auch bei einem bloßen Verdacht auf eine Zahn- oder Kieferfehlstellung sollte eine fachliche Abklärung durch einen Fachzahnarzt für Kieferorthopädie beziehungsweise einen Kieferorthopäden erfolgen. Ob eine Behandlung erforderlich ist, wann sie sinnvoll ist und welche Behandlungsmethode infrage kommt, kann nur anhand des individuellen Befundes entschieden werden.

Fachliche Quellen

Die Inhalte orientieren sich insbesondere an der S2k-Leitlinie „Ideale Zeitpunkte und Maßnahmen der kieferorthopädischen Diagnostik“ der Deutschen Gesellschaft für Kieferorthopädie (DGKFO) und der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) sowie an der S3-Leitlinie „Ideale Behandlungszeitpunkte kieferorthopädischer Anomalien“. Ergänzend wurden fachliche Definitionen der American Association of Orthodontists (AAO) berücksichtigt.

Termine fixieren & Zeit optimieren: Einfach online buchen!

In unserem Online-Kalender können Sie als Neupatient ganz einfach einen kostenlosen Termin vereinbaren. Wunschtermin nicht mehr frei? Dann rufen Sie uns bitte an oder senden Sie eine Email. Wir finden eine individuelle Lösung für Sie!

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von iie Kalender. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Weitere Informationen