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Laechelnde Frau mit geraden Zaehnen

Longevity und Zähne: Warum der Mund über ein langes, gesundes Leben mitentscheidet

Longevity, also die Verlängerung der gesunden Lebensspanne, ist ein großes Gesundheitsthema. Es geht dabei um Ernährung, Bewegung, Schlaf und Stressmanagement, meist aber nicht um Zähne. Dabei lautet die Frage „Longevity: Was hat das mit Zähnen zu tun?“ eigentlich: sehr viel. Chronische Entzündungsprozesse im Mund, vor allem die Parodontitis, können sich nach heutigem Stand der Forschung negativ auf den gesamten Körper auswirken. Wer gesund alt werden möchte, sollte seinen Mund deshalb von Anfang an mitdenken.

Was Longevity-Forschung und Mundgesundheit verbindet: „Inflammaging“

Ein zentrales Konzept der Alternsforschung ist das sogenannte „Inflammaging“. Gemeint ist eine schleichende, chronische Entzündungsaktivität im Körper, die mit dem Altern zunimmt und als Treiber vieler Alterserkrankungen gilt (Franceschi et al., 2000). Chronische Entzündung zählt auch in aktuellen Übersichtsarbeiten zu den Mechanismen, die das Altern beeinflussen (López-Otín et al., 2023).

Eine unbehandelte Zahnfleischentzündung oder Parodontitis ist so ein dauerhafter Entzündungsherd. Das Zahnfleisch ist bei einer Parodontitis eine ständig offene, entzündete Fläche, über die Bakterien und Entzündungsbotenstoffe in die Blutbahn gelangen können.

Parodontitis: Eine Volkskrankheit mit Fernwirkung

Die Parodontitis gehört weltweit zu den häufigsten Erkrankungen. Nach Schätzungen der WHO leidet rund eine Milliarde Menschen an einer schweren Form (WHO, 2022). Sie beginnt meist unbemerkt mit einer Gingivitis, also einem entzündeten, oft leicht blutenden Zahnfleisch. Unbehandelt kann sie in eine Parodontitis übergehen, bei der sich Zahnfleisch und Kieferknochen zurückbilden.

Das Problem bleibt nicht auf den Mund begrenzt. Die Fachliteratur beschreibt, wie Bakterien des Zahnbelags (Biofilm) und die dadurch ausgelöste Entzündungsreaktion systemische Entzündungswerte erhöhen können (Hajishengallis, 2015). Typische Laborwerte wie das C-reaktive Protein (CRP) sind bei Parodontitis häufig erhöht (Tonetti et al., 2017).

Entzündungen im Mund und ihre Wechselwirkungen mit dem Körper

Für mehrere Erkrankungen ist ein Zusammenhang mit der Parodontitis wissenschaftlich gut belegt oder wird intensiv untersucht:

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Ein gemeinsamer Konsensbericht der European Federation of Periodontology und der World Heart Federation beschreibt einen Zusammenhang zwischen Parodontitis und atherosklerotischen Erkrankungen. Die Behandlung der Parodontitis verbessert zudem Entzündungs- und Gefäßfunktionsparameter (Sanz et al., 2020).
  • Diabetes mellitus: Die Beziehung ist wechselseitig. Diabetes begünstigt Parodontitis, und eine unbehandelte Parodontitis erschwert die Blutzuckereinstellung (Chapple & Genco, 2013; Genco & Sanz, 2020).
  • Weitere Zusammenhänge: Diskutiert und erforscht werden Verbindungen zu rheumatoider Arthritis, Atemwegserkrankungen, Komplikationen in der Schwangerschaft und kognitivem Abbau (Genco & Sanz, 2020). Bei einigen dieser Themen sind die Ursache-Wirkungs-Beziehungen noch nicht abschließend geklärt.

Entscheidend ist: Auch wenn nicht jeder Zusammenhang kausal bewiesen ist, sprechen Studienlage und Fachgesellschaften klar dafür, Entzündungen im Mund ernst zu nehmen und konsequent zu behandeln. Das bestätigt auch die deutsche S3-Leitlinie zur Behandlung der Parodontitis (DG PARO/DGZMK, 2021).

Zahnengstände: Wenn die Reinigung zur Herausforderung wird

Hier kommt die Kieferorthopädie ins Spiel. Stehen Zähne eng, verschachtelt oder überlappend, entstehen Nischen und Engstellen, die sich mit Zahnbürste, Zahnseide oder Interdentalbürsten kaum noch zuverlässig erreichen lassen. Das hat Folgen:

  • Zahnbelag bleibt an schwer zugänglichen Stellen länger bestehen.
  • Die Zahl pathogener, also krankheitsauslösender Bakterien im Biofilm kann steigen.
  • Das Zahnfleisch reagiert mit Entzündung, die Entzündungswerte im Mund können dadurch deutlich ansteigen.

Schiefstehende Zähne sind also nicht nur eine Frage der Ästhetik. Sie können die Mundhygiene erschweren und damit ein Risikofaktor für wiederkehrende Entzündungen sein. Die Studienlage zeigt, dass gut ausgerichtete Zähne die Reinigung erleichtern. Ob eine kieferorthopädische Behandlung langfristig vor Parodontitis schützt, wird in der Fachliteratur differenziert betrachtet. Sicher ist aber: Was sich besser reinigen lässt, bietet Bakterien weniger Angriffsfläche. Das gilt auch für Erwachsene, bei denen eine kieferorthopädische Behandlung ohne Weiteres möglich ist, sofern das Zahnfleisch gesund ist.

Was Sie selbst für Ihre Mundgesundheit tun können

  • Zweimal täglich gründlich Zähne putzen und täglich die Zahnzwischenräume reinigen.
  • Regelmäßige Kontrollen und professionelle Zahnreinigungen wahrnehmen.
  • Warnzeichen ernst nehmen: Zahnfleischbluten, Schwellungen, Mundgeruch oder gelockerte Zähne gehören zeitnah abgeklärt.
  • Risikofaktoren wie Rauchen und unzureichend eingestellten Blutzucker vermeiden bzw. behandeln lassen.

Liegt bei Ihnen möglicherweise ein kieferorthopädisches Problem vor?

Wenn Sie sich fragen, ob Zahnengstände oder eine Fehlstellung bei Ihnen die Reinigung erschweren oder Entzündungen begünstigen, lassen Sie das professionell klären. Vereinbaren Sie direkt über unsere Webseite einen Beratungstermin bei uns. Wir prüfen gemeinsam mit Ihnen, ob ein kieferorthopädischer Handlungsbedarf besteht, und besprechen mögliche Wege.

Fazit

Wer lange gesund leben will, sollte den Mund nicht ausklammern. Chronische Entzündungen wie die Parodontitis belasten den gesamten Organismus und gehören zu den vermeidbaren Faktoren, die die gesunde Lebensspanne beeinflussen. Gerade Zahnengstände können die Reinigung deutlich erschweren und so Entzündungen begünstigen. Gesunde, gut gereinigte Zähne sind damit ein echter Baustein der Longevity.


Disclaimer: Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische oder zahnmedizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei gesundheitlichen Beschwerden wenden Sie sich bitte an Ihre Zahnärztin, Ihren Zahnarzt oder Ihren Hausarzt.


Quellenverzeichnis

  1. Chapple, I. L. C., & Genco, R. (2013). Diabetes and periodontal diseases: Consensus report of the Joint EFP/AAP Workshop on Periodontitis and Systemic Diseases. Journal of Clinical Periodontology, 40(Suppl 14), S106–S112.
  2. DG PARO/DGZMK (2021). S3-Leitlinie: Die Behandlung von Parodontitis Stadium I bis III (AWMF-Registernummer 083-043).
  3. Franceschi, C., et al. (2000). Inflamm-aging: An evolutionary perspective on immunosenescence. Annals of the New York Academy of Sciences, 908, 244–254.
  4. Genco, R. J., & Sanz, M. (2020). Clinical and public health implications of periodontal and systemic diseases: An overview. Periodontology 2000, 83(1), 7–13.
  5. Hajishengallis, G. (2015). Periodontitis: From microbial immune subversion to systemic inflammation. Nature Reviews Immunology, 15(1), 30–44.
  6. López-Otín, C., et al. (2023). Hallmarks of aging: An expanding universe. Cell, 186(2), 243–278.
  7. Sanz, M., et al. (2020). Periodontitis and cardiovascular diseases: Consensus report. Journal of Clinical Periodontology, 47(3), 268–288.
  8. Tonetti, M. S., Jepsen, S., Jin, L., & Otomo-Corgel, J. (2017). Impact of the global burden of periodontal diseases on health, nutrition and wellbeing of mankind. Journal of Clinical Periodontology, 44(5), 456–462.
  9. World Health Organization (2022). Global Oral Health Status Report: Towards universal health coverage for oral health by 2030.

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