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Wie lange feste Zahnspange

Wie lange trägt man eine feste Zahnspange? Die kurze Antwort

Fast jede Familie, die zu uns in die Praxis kommt, stellt zuerst diese Frage: Wie lange trägt man eine feste Zahnspange? Eine allgemeingültige Zahl gibt es nicht, denn die Tragedauer hängt vom einzelnen Patienten und von seiner Zahnfehlstellung ab. Als Orientierung gilt: Im Durchschnitt trägt man eine feste Zahnspange etwa 18-20 Monate. Manche Behandlungen sind nach einem Jahr abgeschlossen, andere dauern deutlich länger als zwei Jahre.

Zum Vergleich: Eine systematische Übersichtsarbeit mit 22 Studien und über 1.000 Patienten ermittelte eine durchschnittliche Behandlungsdauer von 19,9 Monaten. Die Autoren schließen daraus, dass eine umfassende Behandlung im Mittel weniger als zwei Jahre dauert. Die Cochrane-Gruppe für Mundgesundheit nennt für vollständige Behandlungen typischerweise rund 20 Monate. Die Werte liegen also nah beieinander, und genau das ist ein Durchschnitt: ein Richtwert, kein Versprechen für den Einzelfall. Die tatsächliche Dauer kann also im Einzelfall deutlich kürzer oder länger sein.

Warum die Tragedauer so unterschiedlich ist

Die Dauer richtet sich danach, was in Ihrem Mund korrigiert werden muss. Folgende Faktoren spielen eine Rolle:

  • Schweregrad der Fehlstellung: Ein leichter Engstand ist schneller behoben als ein ausgeprägter tiefer Biss oder Kreuzbiss oder eine große Zahnlücke.
  • Art der Behandlung: Müssen Zähne gezogen werden, Lücken geschlossen oder Zähne über längere Strecken bewegt werden, braucht das Zeit.
  • Wachstum: Bei Kindern und Jugendlichen kann das Kieferwachstum die Behandlung unterstützen. Es muss aber im richtigen Moment genutzt werden und lässt sich nicht beschleunigen.
  • Individuelle Situation: Dazu zählen Alter, Zahnstatus, Zustand des Zahnhalteapparats und die persönliche Reaktion des Gewebes.
  • Mitarbeit und Termintreue: Gummizüge tragen, gründlich putzen und Kontrolltermine einhalten, auch das beeinflusst die Dauer und kann eine Behandlung verlängern aber glücklicherweise auch verkürzen.

Die Fachliteratur kennt noch weitere Einflussgrößen. Interessant ist ein Ergebnis zum Alter: Eine Meta-Analyse fand keinen statistisch und klinisch bedeutsamen Unterschied in der Behandlungsdauer zwischen Erwachsenen und Jugendlichen. Die Datenlage beruht allerdings überwiegend auf nicht randomisierten Studien. Ein hohes Alter ist also kein Grund, auf eine Behandlung zu verzichten. 

 

Was bei der Zahnbewegung im Körper passiert

Zähne stehen nicht starr im Kiefer, sondern in einem Zahnfach, das von einem elastischen Halteapparat umgeben ist. Setzt die Zahnspange einen sanften, dauerhaften Druck auf den Zahn, laufen im Knochen Umbauprozesse ab. Auf der Druckseite wird Knochen abgebaut, auf der Zugseite wird neuer Knochen aufgebaut.

Diese zellulären Vorgänge laufen bei allen Menschen im Grundsatz gleich schnell ab. Sie lassen sich nicht beliebig antreiben, denn stärkerer Druck bewegt Zähne nicht schneller, sondern kann das Gewebe schädigen. Unterschiede in der Gesamtdauer entstehen deshalb nicht durch eine schnellere oder langsamere Biologie. Sie entstehen durch die Strecke, die ein Zahn zurücklegen muss, durch die Komplexität des Falls und durch den Behandlungsverlauf.

Auch bei optimaler Planung bleibt die Dauer ein Zusammenspiel aus Ausgangslage, Wachstum und Mitarbeit. Zuverlässige Mitarbeit und eingehaltene Termine können eine Behandlung verkürzen. Gelöste Brackets, ausgelassene Kontrollen oder mangelnde Mundhygiene verlängern sie dagegen oft um Monate.

Gibt es Methoden, die Zahnbewegung zu beschleunigen?

Der Wunsch nach einer kürzeren Behandlung ist verständlich, und die Forschung hat verschiedene Wege erprobt. Dazu gehören chirurgische Verfahren wie Corticotomie, Piezocision oder Mikro-Osteoperforationen sowie nicht chirurgische Ansätze wie Laser- und LED-Licht oder Vibrationsgeräte.

Das Ergebnis fällt nüchtern aus:

  • Belastbarkeit der Studien: Die Qualität der Evidenz ist überwiegend gering. Ein Netzwerk-Meta-Analyse-Review stuft sie als sehr niedrig bis moderat ein. Der Cochrane-Review zu nicht chirurgischen Verfahren spricht von niedriger bis sehr niedriger Aussagesicherheit.
  • Geringer Effekt: Selbst bei den aussichtsreicheren Verfahren zeigt sich der Effekt vor allem in den ersten Wochen nach der Anwendung. Beim Laser ist kaum abschätzbar, wie sich eine frühere Ausrichtung der Zähne auf die gesamte Behandlungsdauer auswirkt. Insgesamt sprechen wir bestenfalls von einigen Wochen weniger Behandlungszeit, nicht von Monaten. 
  • Nachteile einzelner Verfahren: Manche Methoden erfordern chirurgische Eingriffe. In der Diskussion um solche Verfahren stehen außerdem mögliche Wurzelschädigungen oder andere bleibende Schäden. Dem stehen schwache Studiendaten und ein bestenfalls begrenzter Nutzen gegenüber.

Aus fachlicher Sicht ist der Nutzen-Risiko-Abwägung bei vielen dieser Ansätze derzeit nicht überzeugend. Die Studienlage dazu ist teilweise schwach und heterogen, es ist aber natürlich zu beachten, dass nicht jedes Verfahren nachweislich schädlich ist. Eine gut geplante, konsequent begleitete Standardbehandlung bleibt der verlässliche Weg. 

Fazit: Planbar, aber nicht pauschal

Wie lange man eine feste Zahnspange trägt, lässt sich erst nach einer individuellen Untersuchung seriös einschätzen. Als Richtwert gelten etwa 18-20 Monate. Ihre persönliche Behandlungsdauer hängt von Ihrer Zahnstellung, Ihrem Wachstum und Ihrer Mitarbeit ab. Abkürzungen mit gesichertem Nutzen gibt es bisher nicht.

Besteht bei Ihnen oder Ihrem Kind ein kieferorthopädisches Problem?

Wenn Sie unsicher sind, ob eine Zahn- oder Kieferfehlstellung behandelt werden sollte, klären wir das gern mit Ihnen. Vereinbaren Sie direkt über unsere Webseite einen Beratungstermin. Wir untersuchen die Situation, erklären die Behandlungsoptionen und geben Ihnen eine realistische Einschätzung zur voraussichtlichen Dauer.


Disclaimer: Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung, Untersuchung oder Behandlung. Die genannten Zeiten sind statistische Durchschnittswerte und lassen keine Rückschlüsse auf den Einzelfall zu. Für eine individuelle Einschätzung wenden Sie sich bitte an Ihre Kieferorthopädin bzw. Ihren Kieferorthopäden.


Quellen

  1. Tsichlaki A, Chin SY, Pandis N, Fleming PS: How long does treatment with fixed orthodontic appliances last? A systematic review. American Journal of Orthodontics and Dentofacial Orthopedics 2016; 149(3): 308–318. DOI: 10.1016/j.ajodo.2015.09.020
  2. Cochrane Oral Health: Non-surgical adjunctive interventions for accelerating tooth movement in patients undergoing orthodontic treatment (Update). Cochrane Database of Systematic Reviews, CD010887.pub3. DOI: 10.1002/14651858.CD010887.pub3
  3. Progress in Orthodontics (2020): Duration of orthodontic treatment with fixed appliances in adolescents and adults: a systematic review with meta-analysis. DOI: 10.1186/s40510-020-00334-4
  4. Zhou H, Zhang YF, Qi YX, Zhang QQ, Liu N, Chen Y. The efficacy and safety of corticotomy and periodontally accelerated osteogenic orthodontic interventions in tooth movement: an updated meta-analysis. Head Face Med. 2024 Feb 17;20(1):12. doi: 10.1186/s13005-024-00409-1. PMID: 38368383; PMCID: PMC10874089.
  5. Long H et al.: Interventions for accelerating orthodontic tooth movement: a systematic review. The Angle Orthodontist 2013; 83(1): 164–171.

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