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Kieferorthopädie Blog

Mewing – Funktioniert das wirklich?

Mewing: Was steckt hinter dem Trend und funktioniert das wirklich?

Mewing ist in den vergangenen Jahren zu einem großen Trend in den sozialen Medien geworden. Auf TikTok, Instagram und YouTube wird die Methode teilweise als einfache Möglichkeit dargestellt, die Kieferform zu verändern, eine markantere Jawline zu entwickeln oder sogar Zahn- und Kieferfehlstellungen zu korrigieren.

Doch was steckt tatsächlich hinter Mewing? Funktioniert Mewing wirklich? Und wie ist der Trend aus kieferorthopädischer Sicht zu beurteilen?

Die kurze Antwort lautet: Ein Teil der zugrunde liegenden Überlegungen ist aus kieferorthopädischer Sicht durchaus nachvollziehbar. Die weitreichenden Versprechen des Mewing-Trends sind wissenschaftlich jedoch nicht ausreichend belegt.

Was ist Mewing?

Beim sogenannten Mewing geht es vereinfacht gesagt darum, die Zunge in einer bestimmten Position am Gaumen ruhen zu lassen. Befürworter der Methode gehen davon aus, dass eine bestimmte Zungenposition langfristig die Entwicklung von Oberkiefer, Unterkiefer und Gesicht beeinflussen kann.

Der Begriff geht auf den britischen Kieferorthopäden John Mew und dessen Sohn Mike Mew zurück. Über soziale Medien wurde daraus schließlich ein weltweiter Trend.

Besonders häufig wird Mewing mit Versprechen wie diesen verbunden:

  • eine markantere Kieferlinie
  • ein breiterer Oberkiefer
  • eine bessere Gesichtsästhetik
  • eine Veränderung der Kieferposition
  • gerade Zähne ohne Zahnspange
  • eine Verbesserung der Nasenatmung
  • eine Veränderung der Gesichtsform

Genau an diesem Punkt ist jedoch eine differenzierte Betrachtung wichtig.

Was steckt hinter dem Mewing-Trend?

Die Vorstellung, dass die Zunge Einfluss auf die Entwicklung des Kausystems haben kann, ist keineswegs grundsätzlich neu oder absurd.

Die Zunge ist ein wichtiger Bestandteil des funktionellen Systems aus Zähnen, Kiefer, Muskulatur, Lippen und Wangen. Auch die Art und Weise, wie wir schlucken, atmen und unsere Zunge im Ruhezustand halten, kann aus kieferorthopädischer Sicht relevant sein.

Bei Kindern und Jugendlichen befindet sich das Gesicht noch in der Entwicklung. Deshalb betrachten wir bei einer kieferorthopädischen Untersuchung nicht ausschließlich die Stellung einzelner Zähne. Auch Faktoren wie Mundatmung, Lippenfunktion, Zungenfunktion und Schluckmuster können bei der Beurteilung eine Rolle spielen.

Das bedeutet aber nicht, dass man durch eine bestimmte Zungenposition seinen Kiefer nach Belieben umformen kann.

Hier macht der Mewing-Trend aus einem tatsächlich relevanten kieferorthopädischen Zusammenhang eine sehr stark vereinfachte Theorie.

Funktioniert Mewing wirklich?

Das ist wahrscheinlich die wichtigste Frage, wenn man sich mit dem Thema beschäftigt.

Für die weitreichenden Versprechen des Mewing gibt es derzeit keine ausreichende wissenschaftliche Grundlage.

Insbesondere ist nicht überzeugend belegt, dass das bewusste Positionieren der Zunge bei gesunden Menschen zuverlässig zu einer ausgeprägteren Jawline, einem größeren Kiefer oder einer gezielten Veränderung der Gesichtsform führt. Auch die American Association of Orthodontists weist darauf hin, dass wissenschaftliche Belege für eine solche Umformung durch Mewing fehlen.

Das ist ein wichtiger Unterschied:

Eine physiologisch günstige Zungenruhelage kann sinnvoll sein – Mewing ist deshalb aber noch keine kieferorthopädische Behandlung.

Die Entwicklung des Gesichtsschädels wird von zahlreichen Faktoren beeinflusst. Dazu gehören unter anderem Genetik, Wachstum, Muskelaktivität, Atmung, Funktion und die individuelle Entwicklung von Ober- und Unterkiefer.

Eine einzelne Übung oder eine bestimmte Zungenposition kann diese komplexen biologischen Zusammenhänge nicht einfach ersetzen.

Ist die Zungenposition trotzdem wichtig?

Ja – und genau hier wird es interessant.

Aus kieferorthopädischer Sicht ist die Funktion der Zunge durchaus relevant. Die Zunge steht in einem engen funktionellen Verhältnis zu Zähnen und Kiefer. Eine dauerhaft ungünstige Zungenfunktion oder bestimmte orale Gewohnheiten können insbesondere bei Kindern und Jugendlichen bei der Entwicklung des Gebisses eine Rolle spielen.

Beispielsweise können bestimmte Zungen- und Schluckmuster mit einem offenen Biss oder anderen Zahnfehlstellungen in Zusammenhang stehen.

Auch bei einer bestehenden kieferorthopädischen Behandlung kann es sinnvoll sein, funktionelle Faktoren zu berücksichtigen.

Die wissenschaftliche Literatur zeigt allerdings, dass die Evidenz für viele myofunktionelle Behandlungskonzepte unterschiedlich stark ist und teilweise noch weiterer hochwertiger Forschung bedarf.

Deshalb sollte man zwischen einer fachlich beurteilten Zungenfunktion und dem pauschalen Social-Media-Konzept „Mewing“ unterscheiden.

Mewing bei Kindern und Jugendlichen

Bei Kindern und Jugendlichen sollte man besonders vorsichtig mit pauschalen Empfehlungen aus dem Internet sein.

Das Gesicht befindet sich während des Wachstums in einer dynamischen Entwicklung. Eine kieferorthopädische Beurteilung berücksichtigt deshalb nicht nur die aktuelle Zahnstellung, sondern auch Wachstum, Kieferrelation, Funktion und die Entwicklung des Gebisses.

Wenn beispielsweise eine ausgeprägte Mundatmung, eine auffällige Zungenfunktion oder ein offener Biss vorliegt, ist es sinnvoll, die Ursache fachlich abzuklären.

Einfach möglichst kräftig die Zunge gegen den Gaumen zu drücken, ist dagegen keine sinnvolle kieferorthopädische Therapie.

Unkontrollierte oder einseitige Kräfte können theoretisch sogar unerwünschte Zahnbewegungen begünstigen. Die American Association of Orthodontists weist ebenfalls auf mögliche Probleme durch falsch angewendetes Mewing hin, darunter Veränderungen der Zahnstellung, Bissprobleme und Schwierigkeiten beim Sprechen.

Kann Mewing eine Zahnspange ersetzen?

Nein.

Eine Zahn- oder Kieferfehlstellung entsteht nicht dadurch, dass jemand seine Zunge „falsch“ hält und lässt sich deshalb auch nicht einfach durch eine bewusst veränderte Zungenposition korrigieren.

Eine kieferorthopädische Behandlung basiert auf kontrollierten und individuell geplanten Kräften. Dabei werden Zähne und – abhängig vom Alter und der jeweiligen Situation – auch die skelettalen Strukturen gezielt beeinflusst.

Ob eine Behandlung notwendig ist und welche Methode geeignet ist, hängt von der individuellen Diagnose ab.

Mewing kann daher eine fachgerechte kieferorthopädische Diagnostik und Behandlung nicht ersetzen.

Was ist an Mewing aus kieferorthopädischer Sicht sinnvoll?

Trotz aller Kritik sollte man Mewing nicht als kompletten Unsinn abtun.

Der Trend hat immerhin dazu geführt, dass sich viele Menschen erstmals mit einem Thema beschäftigen, das in der Kieferorthopädie tatsächlich relevant ist: der Funktion des orofazialen Systems.

Eine entspannte Zungenruhelage, eine gute Lippenfunktion, eine physiologische Nasenatmung und ein unauffälliges Schluckmuster sind grundsätzlich interessante Aspekte bei der Beurteilung eines Patienten.

Der entscheidende Punkt ist jedoch:

Nicht jede sinnvolle kieferorthopädische Beobachtung wird dadurch automatisch zu einer wirksamen Behandlungsmethode.

Genau diese Differenzierung fehlt in vielen Beiträgen zum Thema Mewing in den sozialen Medien.

Warum sieht man bei manchen Menschen trotzdem Veränderungen?

Ein häufiges Argument lautet: „Aber bei mir hat Mewing funktioniert.“

Tatsächlich können sich Gesichter und Kiefer im Laufe der Zeit verändern. Gerade bei Jugendlichen findet während der Wachstumsphase eine natürliche Entwicklung statt.

Auch Veränderungen des Körpergewichts, der Muskulatur, der Körperhaltung, des Alters oder der Gesichtsweichteile können die Wahrnehmung der Jawline beeinflussen.

Vorher-Nachher-Bilder aus dem Internet sind deshalb kein wissenschaftlicher Beweis dafür, dass eine beobachtete Veränderung durch Mewing verursacht wurde.

Um einen tatsächlichen Behandlungseffekt nachzuweisen, benötigt man kontrollierte wissenschaftliche Untersuchungen – und genau diese Evidenz fehlt für die weitreichenden Versprechen des Mewing-Trends derzeit.

Mewing: Ein Trend, den man kieferorthopädisch einordnen sollte

Aus unserer Sicht ist Mewing deshalb weder ein revolutionärer Durchbruch noch ein Thema, das man grundsätzlich ignorieren sollte.

Die zugrunde liegende Bedeutung von Zungenfunktion und orofazialer Muskulatur ist in der Kieferorthopädie bekannt. Der aktuelle Mewing-Trend überschätzt jedoch deutlich, was sich allein durch eine bestimmte Zungenposition erreichen lässt.

Wer seine Zungenfunktion, Mundatmung oder Zahn- und Kieferentwicklung auffällig findet, sollte deshalb nicht versuchen, durch starke oder dauerhaft erzwungene Zungenkräfte selbst eine Veränderung herbeizuführen.

Sinnvoller ist eine individuelle kieferorthopädische Untersuchung. Dabei kann beurteilt werden, ob tatsächlich eine funktionelle Auffälligkeit oder eine behandlungsbedürftige Zahn- beziehungsweise Kieferfehlstellung vorliegt.

Unser Fazit zu Mewing

Mewing enthält einen interessanten kieferorthopädischen Gedanken, ist aber keine Wundermethode.

Die Zunge und ihre Funktion spielen für das Kausystem eine wichtige Rolle. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass man durch bewusstes „Mewing“ bei jedem Menschen den Kiefer vergrößern, die Jawline deutlich verändern oder Zahnfehlstellungen korrigieren kann.

Der Trend ist daher aus unserer Sicht eher zu relativieren als zu dramatisieren.

Wer sich mit seiner Kieferentwicklung beschäftigt, sollte sich weniger von viralen Vorher-Nachher-Bildern und mehr von einer fundierten kieferorthopädischen Diagnostik leiten lassen.

Denn gerade bei Zähnen, Kiefern und Gesichtsentwicklung gilt: Nicht jede Methode, die plausibel klingt und im Internet tausendfach gezeigt wird, ist auch wissenschaftlich nachgewiesen.

Wie bekommt man eine Jawline?

Um eine bessere Jawline zu bekommen gibt es viele Ansätze, falls ein kieferorthopädisches Problem vorliegt kann ein Beratungstermin helfen.

Hinweis: Die Inhalte dieses Beitrags dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzen keine individuelle medizinische oder kieferorthopädische Beratung, Untersuchung oder Diagnose. Bei Fragen oder Beschwerden wenden Sie sich bitte an eine qualifizierte Ärztin oder einen qualifizierten Arzt.

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