Was hilft bei Aphten im Mund?
Was sind Aphten?
Aphten sind schmerzhafte, oberflächliche Defekte der Mundschleimhaut, die als kleine, runde oder ovale Läsionen mit weißlich-gelblichem Grund und rotem Randsaum erscheinen. Sie zählen zu den häufigsten Mundschleimhauterkrankungen und treten meist an nicht verhornten Schleimhautarealen wie Wangeninnenseite, Zungenunterseite oder Lippeninnenseite auf.
Medizinisch spricht man bei wiederkehrenden Aphten von einer rezidivierenden Stomatitis aphthosa (RAS). Man unterscheidet drei Formen:
Minor-Aphten: klein (2–5 mm), heilen innerhalb von 7–14 Tagen narbenfrei ab
Major-Aphten: größer (>10 mm), tiefer, längere Heilungsdauer, können narben
Herpetiforme Aphten: viele kleine Läsionen, die zu größeren Arealen verschmelzen können
Wie und warum entstehen Aphten?
Die exakte Ursache der rezidivierenden Aphten ist bis heute nicht vollständig geklärt. Die aktuelle S2k-Leitlinie geht von einer multifaktoriellen Genese aus, bei der genetische, immunologische und Umweltfaktoren zusammenwirken.
Prädisponierende Faktoren und Trigger
Folgende Faktoren können das Entstehen von Aphten begünstigen oder akute Schübe auslösen:
Genetische Veranlagung: Bei etwa 40% der Betroffenen kommt RAS familiär vor
Mechanische Reizungen: Verletzungen durch scharfe Zähne, schlecht sitzende Zahnspangen oder Prothesen, versehentliches Beißen
Stress und Erschöpfung: Psychische Belastung, Schlafmangel, Prüfungssituationen
Hormonelle Schwankungen: Zyklusabhängig bei Frauen, Schwangerschaft, Menopause
Nährstoffmängel: Eisen-, Vitamin-B12-, Folsäure-, Zink- oder Vitamin-D-Mangel
Bestimmte Lebensmittel: Schokolade, Nüsse, scharfe oder säurehaltige Speisen, Konservierungsstoffe (z. B. Benzoate E210–E219)
Medikamente: NSAIDs (z. B. Ibuprofen), Beta-Blocker, Nicorandil, Chemotherapeutika
Raucherentwöhnung: Paradoxerweise können Aphten nach dem Rauchstopp vermehrt auftreten
Systemische Erkrankungen: Zöliakie, Morbus Crohn, Behçet-Syndrom, Immundefekte, HIV
Immunologische Komponente
Aktuelle Forschung geht davon aus, dass es sich um eine T-Zell-vermittelte Immunreaktion gegen die eigene Mundschleimhaut handelt. Das Immunsystem reagiert dabei überschießend auf bestimmte Trigger, was zur lokalen Schleimhautschädigung führt.
Wie werden Aphten behandelt?
Da die Ursache nicht vollständig geklärt ist, erfolgt die Therapie in erster Linie symptomatisch mit dem Ziel, Schmerzen zu lindern, die Heilung zu beschleunigen und Rezidive zu reduzieren.
Basistherapie und Selbstmaßnahmen
Mundhygiene optimieren: Weiche Zahnbürste verwenden, regelmäßige zahnärztliche Kontrollen
Auslöser meiden: Scharfe, säurehaltige oder sehr heiße Speisen und Getränke reduzieren
Ernährung: Ausgewogene, vitaminreiche Kost; bei Verdacht auf Mängel Laboruntersuchung veranlassen
Lokale Schmerztherapie: Anästhetische Gele oder Mundspülungen (z. B. mit Benzocain oder Lidocain)
Antiseptische Mundspülungen: Chlorhexidin-haltige Lösungen zur Infektionsprophylaxe
Medikamentöse Therapie nach Leitlinie
Die aktuelle S2k-Leitlinie empfiehlt ein stufenweises Vorgehen:
Stufe 1 (leichte bis moderate Fälle)
Filmbildende Präparate oder Sucralfat zum Schutz der Läsion
Bei Major-Aphten: 5%ige Tetracyclin-Mundspülung
Stufe 2 (mittelschwere Fälle)
Topische Kortikosteroide: Triamcinolonacetonid 0,1% als Haftsalbe, möglichst früh in der Prodromalphase auftragen
Stufe 3 (schwere, therapieresistente Fälle)
Weiterbehandlung in einem spezialisierten Zentrum
Systemische Therapieoptionen (z. B. orale Kortikosteroide, Colchicin, Thalidomid) nach individueller Nutzen-Risiko-Abwägung
Wann zum Facharzt?
Ein Besuch in der kieferorthopädischen oder zahnärztlichen Praxis ist ratsam, wenn:
Aphten häufiger als 3–4 Mal pro Jahr auftreten
Die Läsionen größer als 1 cm sind oder länger als 3 Wochen nicht abheilen
Starke Schmerzen das Essen oder Sprechen erschweren
Begleitsymptome wie Fieber, Gewichtsverlust oder Hautveränderungen auftreten
In unserer Praxis prüfen wir bei rezidivierenden Aphten insbesondere mechanische Auslöser (z. B. durch Bracketkanten oder scharfe Zahnkanten) und können diese gezielt eliminieren.